Kann Architektur Landflucht verhindern? Trotz der Komplexität dieses Themas spielt die fehlende Infrastruktur in ruralen Gebieten eine tragende Rolle.  Ein Vietnamese zeigt, was mit Architektur möglich ist.

Zwei Drittel der Vietnamesen leben am Land, circa 15 Prozent davon in Armut. Ein gutes Beispiel dafür ist das Dorf Suoi Re, von dem BewohnerInnen in die nächste, größere Stadt pendeln müssen, weil es im Ort keine Basisinfrastruktur wie Kindergärten, Post, Krankenhäuser und ähnliches gibt. Das kostet viel Zeit, die ihnen bei Kindererziehung, Ausbildung, Gemeindeaktivitäten oder einfach bei der Erholung fehlt.

Hoàng Thúc Hào ist selbst am Land aufgewachsen. Später studierte er in Hanoi Architektur. Inzwischen unterrichtet er in Barcelona und entwirft weltweit neue Gebäude. Durch die architektonische Vielfalt, die ihm im Laufe seines Lebens untergekommen war, wusste Hoàng Thúc Hào, dass es für nahezu alle Herausforderungen eine Lösung gibt. Aus diesem Bewusstsein heraus baute er 2010 im Dorf Suoi Re sein erstes Haus.

Mein größter Erfolg war die herzliche Aufnahme bei der Dorfbevölkerung, die das Haus inzwischen ausgiebig nutzt.

Hoàng Thúc Hào, Architekt des nachhaltigen Multifunktionshauses

Der Architekt entwarf ein Multifunktionshaus, das ausschließlich aus lokal vorhandenen Materialien gebaut wurde. Mit einem Regenwassertank wird Gebrauchswasser gesammelt, der Strom kommt von großen Solarpanelen am Palmenblätter-Dach. Außerdem finden ein Kindergarten, eine Bibliothek, Unterrichtsräume und ein großer Aufenthaltsraum für die DorfbewohnerInnen Platz in dem Gebäude.

Beim Architekturpreis der Italienerin Barbara Cappochin, der im Bereich erneuerbarer Energien vergeben wird, kam Hoàng Thúc Hào vor zwei Jahren von 383 BewerberInnen auf Platz 5. Nach dem großen Erfolg mit seinem ersten Haus plant er nun ein zweites in einem anderen Dorf, bei dem auch ein Markt und Werkstätten für Handwerker integriert werden sollen.

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