Kann Armut mit Schulden bekämpft werden? Diese Frage erscheint im ersten Moment absurd, da wir oft Schulden mit Abhängigkeit verbinden. Eine Genossenschaft aus den Niederlanden befähigt mit Schulden seit 38 Jahren die Ärmsten zur Selbsthilfe.

Wir verdammen Schulden oft pauschal als „schlecht“. Trotzdem gibt es „gute“ Schulden: jene für einkommensgenerierende Unternehmen oder Projekte. Zahlreiche arme Menschen haben keinen Zugang zu Krediten, weil sie nichts besitzen. Denn nur wer schon Sicherheiten vorweisen kann, erhält bei glaubenswürdigen Banken einen Kredit.

Der ökumenische Rat der Kirchen,  der insgesamt aus 349 Kirchen, Konfessionen und Gefolgschaften besteht, wurde 1947 gegründet. Auf dem jährlichen Gipfeltreffen 1968 forderten junge, engagierte Mitglieder, ethisches Investment und Armutsbekämpfung stärker in den Fokus zu bringen. Daraus entstand 1975 Oikocredit, inzwischen eine der größten Mikrokredit-Organisationen weltweit.

Oft reicht der Kauf einer Nähmaschine oder einer Kuh, um der Armut zu entkommen.

David Woods, Managing Director bei Oikocredit international

Oikocredit ist eine internationale Kreditgenossenschaft. Sie vergibt Kredite an Mikrofinanzinstitute, Genossenschaften und Kleinunternehmen in Entwicklungsländern. Die verliehenen Summen bewegen sich durchschnittlich im Rahmen von 10 und 1000 Euro und ergehen zum Großteil in die Bereiche Landwirtschaft, Nahrungsmittelverarbeitung, Handel und Handwerk. Mit diesen Kleinstkrediten leistet Oikocredit einen wirkungsvollen Beitrag zur Armutsbekämpfung.

Der Name leitet sich aus dem altgriechischen Wort „Oikos“ (Haus, Gemeinschaft, Welt) ab. Die Organisation, die auch in Österreich tätig ist, hat ihren Sitz in Amersfoort in den Niederlanden und betreut rund 530 Millionen Euro von 45.000, hauptsächlich europäischen Investoren.  Seit der Gründung half Oikocredit 26 Millionen Menschen dabei, eine stabile Lebensgrundlage aufzubauen.

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