Wie beteiligt man enttäuschte, desillusionierte Bürger an regionalen Prozessen? Immer mehr Menschen fühlen sich von Politik und abstrakten Wirtschaftsstrukturen im Stich gelassen, ausgeschlossen oder vernachlässigt. Ein Konzept aus Amerika könnte lokale Zusammenarbeit in Großbritannien revolutionieren.

Gegenseitige Unterstützung und das Genossenschaftswesen, das einst in Wales vorherrschend war, ist seit Jahrzehnten im Niedergang begriffen. Sowohl die Politik, der Staat, als auch „die Märkte“ und die Wirtschaft geben vielen Menschen das Gefühl, unnütz oder unerwünscht zu sein. Dahinter steht ein Menschenbild im Sinne der Wegwerf-Gesellschaft, der „brauchbaren und unbrauchbaren Produzenten bzw. Steuerzahler“, das Zusammenhalt erodiert und eine Gesellschaft langsam zerstört.

Während den 1980er Jahren entwickelte der bekannte Anwalt und Begründer der amerikanischen Rechtsberatung Edgar Cahn, ein Konzept namens Zeitbank. Becky Booth und Geoff Thomas entwickelten die Prinzipien in Großbritannien weiter und gründeten dort Spice, eine Organisation, die das Potential der Masse nützt, anstatt es verkümmern zu lassen.

Die Botschaft lautet: Wir definieren euch nicht als Menschen mit Problemen, sondern als geschätzte Bürger einer Gemeinschaft.

Becky Booth, Geschäftsführerin und Co-Gründerin von Spice

Spice ist ein Sozialunternehmen in Großbritannien, das als landesweite Zeitbank fungiert. Das Ziel ist, öffentliche und private Dienstleistungen über „Zeitpunkte“ und nicht über Geldwerte abzuwickeln. Dadurch werden mehr Menschen in die Aktivitäten einer Gemeinde oder Region eingebunden, die Zusammenarbeit untereinander wird gefördert und das Teilen von Ressourcen zwischen Gemeinden und Bürgern wird erleichtert.

Menschen erhalten etwa Zeit-Credits, wenn sie für andere Kinder hüten, Rasen mähen oder mithelfen Infrastruktur in der Gemeinde zu reparieren. Die erworbenen Credits können dann konsumiert werden, wenn man ins Theater geht, einen Kaffee trinkt oder einen Sprachkurs besucht. In den Spice-Gemeinden steigt der Grad an Engagement durch die Zivilgesellschaft drastisch, soziale Spannungen nehmen ab und Nachbarschaftshilfe floriert wie nie zuvor.

*editor‘s pick