Welchen Wert hat natürliches Obst in einer Überflussgesellschaft? Einen zu geringen. Grund genug gemeinsam für den Erhalt des Kulturguts zu kämpfen und es mit modernem Branding wieder in die Läden zu bekommen. 

Natürliches Obst? Gemeint ist jenes Obst, das – noch – an vielen Plätzen wächst. Unscheinbar, oft unbeachtet und meist ohne Wertschätzung. Die Rede ist von sogenannten Streuobstwiesen, wie es sie früher hinter vielen Häusern gab. Vor der Zeit der Obstplantagen und dem Import von billigem und makellosem Obst aus dem Ausland. Viele kennen sie noch vom Besuch der Verwandten am Land, die jährlich zur großen Obsternte luden. Als Belohnung winkte oftmals ein frischer Obstkuchen von Oma. Diesen romantischen Bildern steht heute vor allem ein Gedanke gegenüber: Wer will sich die Arbeit noch antun?

Brigitte Gerger und ihre MitstreiterInnen würden jetzt wohl laut „WIR WOLLEN!“ rufen. Ihr Verein „Wieseninitiative“ setzt sich nämlich seit bereits 20 Jahren für die Erhaltung von Wiesen und Streuobstbeständen im Südburgenland in Österreich ein. Ihr Ziel: Die Menschen müssen wieder den Wert erkennen und schätzen, um das Kulturgut langfristig erhalten zu können. Als Ökologin und Geschäftsführerin des Vereins entwickelt sie mit leidenschaftlicher Hartnäckigkeit Projektideen. Wenn nötig auch über Jahre, bis die Idee schließlich in einem Förderprojekt realisiert werden kann. 

Nun gilt es die Streuobstwiesenbesitzer zu motivieren und die Palette an hervorragenden Produkten ständig zu erweitern. Noch immer verfault zu viel Obst in den Gärten.

Brigitte Gerger, Streuobstwiesn Projektleiterin

Das alles ist nicht einfach. Der Preis für das Streuobst war in den letzten Jahren sehr gering und die einstige Bedeutung für die Eigenversorgung ist zurückgegangen. Auf die Herausforderungen antwortet man mit zeitgerechten Mitteln. Mit einem gemeinsamen Marketingauftritt und einem Qualitätssiegel will man die Vermarktung des Streuobstes erleichtern. Das soll auf der einen Seite dem Konsumenten bei der Orientierung helfen – und auf der anderen Seite weitere Besitzer von Streuobstwiesen an Bord holen. Der wirtschaftliche Erfolg sichert auch den Erhalt der Bestände und der Kulturlandschaft.

Und die Zukunft? Dieser Tage startet der Verein mit einem eigenen Webshop, um die Streuobstprodukte auch über die regionalen Grenzen hinweg zu verkaufen. Man erhofft sich eine rasche Etablierung der gemeinsamen Marke „STREUOBSTWIESN“ und ein wachsendes Bewusstsein bei den Kunden, dass diese unschlagbare, natürliche Qualität nicht nur einen gesundheitlichen und geschmacklichen, sondern auch einen gesellschaftlichen Mehrwert bietet, den es gilt nicht zu vergessen.