Wie kann alleinstehenden Müttern in Marokko aus ihrer Misere geholfen werden? Diese werden dort immer noch geächtet, erniedrigt und ihrer Kinder beraubt. Eine charismatische Frau kämpft seit 28 Jahren für mehr Rechte und gibt den jungen Müttern Hoffnung und eine Zukunft.

Jahrhunderte lang war die Notlage von ledigen Müttern ein Tabuthema in Marokko. Die Frauen waren mit großer Scham belegt und mussten ihre Kinder verstecken. Ohne Zugang zum Bildungsystem konnten die meisten weder lesen noch schreiben, geschweige denn sich selbst erhalten. Obwohl sich in den letzten Jahrzehnten schon einiges verbessert hat, bilden Traditionen, Vorurteile, alte Machtverhältnisse und „die öffentliche Meinung“ noch große Hürden für die Emanzipation.

Aïcha Ech Channa arbeitete in den 1980er Jahren im marokkanischen Sozialministerium. Regelmäßig war sie dort mit den Martyrien unverheirateter Frauen mit Kindern konfrontiert. Eines Tages bekam sie mit, wie ein Sozialarbeiter einer jungen, ledigen Mutter ihr Baby wegnahm, um es anschließend in ein Waisenhaus zu stecken. Der Schmerz der Mutter überwältigte Aïcha Ech Channa so sehr, dass sie beschloss, diese Praxis zu beenden und 1985 die Association Solidarité Féminine gründete.

Will ich mein Kind mit gesenktem Kopf großziehen? Nein! Ich will es aufrecht und selbstbewusst tun, wie alle anderen auch!

Aïcha Ech Channa

Die Association Solidarité Féminine setzt sich für die Rechte unverheirateter Müttern und ihren Kindern ein und hilft ihnen, die Fähigkeiten zu erwerben, die sie brauchen, um selbständig ein Leben zu führen. Die Organisation hat Räumlichkeiten mit einer Kantine eingerichtet, wo beispielsweise Koch-, Back- und Buchhaltungskurse abgehalten werden. Damit sind ledige Mütter in der Lage ein eigenes Leben zu führen und können ihre Kinder behalten.

Neben den praktischen Alltagsfähigkeiten bietet die  Association Solidarité Féminine jungen Müttern auch Zugang zu Rechtsberatung, Babysittern und psychologischer Betreuung. Die NGO betreibt außerdem noch zwei Restaurants und vier Kioske. 2002 wurde sie als Spendenorganisation staatlich anerkannt und bekam sogar finanzielle Zuwendungen vom marokkanischen König Muhammad VI.

*editor‘s pick