Wie kann sich ein ganzer Stadtteil selbst mit Lebensmitteln versorgen? Besonders in urbanen Gebieten sind zunehmend innovative Konzepte gefragt, wenn es um Versorgungssicherheit und Regionalität von Lebensmittel geht. Ein Beispiel aus Wien zeigt einen interessanten Weg.

Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Viele Lebensmittel, die für Städte konzipiert sind, müssen unreif geerntet werden, lange Transportwege hinter sich bringen und sind daher geschmacklich wenig ausgeprägt. Kleine bäuerliche Betriebe können mit den Preisen der industriellen Landwirtschaft von Supermärkten nicht mithalten und müssen aufgeben. Rund ein Drittel der Nahrungsmittel wird weggeworfen, manchmal entsprechen sie einfach nicht dem Schönheitsideal der Konsumenten.

Seit Anfang 2011 treffen sich Anrainer und Interessenten bei der alten Rollbahn der aspern Seestadt. Unter der Anleitung von Yara Dominguez, Obfrau des Vereins Gartenpolylog und begleitet von Katharina Salzgeber von PUBLIK, dem Kommunikationsprogramm der Seestadt, betreiben sie den dortigen Seestadtgarten, prüfen die Machbarkeit von solidarischen Wirtschaftskonzepten und realisieren CSA (Community Supported Agriculture) Projekte.

Zum Glück setzen immer mehr Menschen auf regionale Lebensmittel und beschäftigen sich mit alternativen Versorgungskonzepten!

David Stanzel, Gartenpolylog, Co-Betreuer des Seestadtgartens

Im Seestadtgarten bilden sich Kooperativen von Produzenten und Konsumenten, um richtungsweisende Varianten der Versorgung im neuen Stadtteil zu entwickeln: Die Verbraucher verpflichten sich zu Jahresanfang eine bestimmte Menge an Lebensmitteln abzunehmen, die Erzeuger haben dadurch Rechnungssicherheit. Durch die räumliche und menschliche Nähe bleiben die Transportwege kurz, es entsteht keine Überproduktion und der Bedarf ist genau auf die Verbraucher abgestimmt.

Neben der eigentlichen Arbeit im Seestadtgarten organisieren die Hobbygärtner außerdem regelmäßig so genannte „Gartensprechstunden“: Informations- und Freizeitveranstaltungen zu Themen wie Ernährungsalternativen, Wildkräuter, Zukunft der Wiener Gemeinschaftsgärten oder solidarischer, ökologischer Landwirtschaft. So wird das zukunftsweisende Konzept abgerundet.