Wie können sich ägyptische Frauen effektiv gegen sexuelle Belästigung zur Wehr setzen? Die meisten Ägypterinnen erleben die Übergriffe fast täglich, aber auch Männer sind oft Opfer. Eine Informationsplattform hilft der Bevölkerung, sich zu wehren.

Sexuelle Belästigung ist in Ägypten weit verbreitet und nahezu normal. Die Bandbreite reicht von Sprüchen und Pfiffen hin zu Grapschereien oder sogar Vergewaltigungen. Von Zeugen werden Vorfälle häufig ignoriert oder kleingeredet, von den Betroffenen aus Scham oder Machtlosigkeit verschwiegen. Oft sind auch Kinder die ‚Täter‘, weil sie dieses Verhalten tagtäglich beobachten und nachahmen. 

2005 erlebte die Amerikanerin und damalige NGO-Mitarbeiterin Rebecca Chiao die allgegenwärtige sexuelle Belästigung in Ägypten aus erster Hand. Sie begann das Phänomen zu untersuchen. Landesweit befragte sie Frauen und erfuhr, dass nahezu alle Befragten auf offener Straße sexuell belästigt wurden. Daraufhin gründete Rebecca Chioa HarassMap.

Wir wollen die öffentliche Wahrnehmung ändern und sexuelle Belästigung gesellschaftlich inakzeptabel machen!

Rebecca Chiao, Co-Gründerin von HarassMap

HarassMap ist eine Online-Plattform, die Vorfälle von sexueller Belästigung bekannt macht und kartographiert. Über ein simples SMS-System können Opfer und Zeugen Vorkommnisse berichten. Diese werden geprüft und in einer Google-Map festgehalten. Außerdem können sich Geschäfte oder Lokale von außen mit einem Sticker als sicheren Ort kennzeichnen, der im Notfall aufgesucht werden kann. 

Neben psychologischer Betreuung bietet HarassMap auch Selbstverteidigungskurse für Betroffene an. In den letzten Jahren hat sich das Thema zu einer viel diskutierten Angelegenheit verwandelt. Nicht nur in Ägypten: Rebecca Chiao bekam Anfragen von NGOs aus fünfzehn Staaten – die Expansion der HarassMap ist bereits geplant.

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