Wer kann wichtige und gewagte Zukunftsideen finanzieren? Die Banken wohl kaum und auch Venture Capital scheint oft nicht der richtige Weg. Vielleicht sollten wir aber nicht nach dem WER fragen, sondern nach dem WIE VIELE. Einige tun das bereits.

Es ist ein bekanntes und drängendes Problem. Innovative Unternehmensgründer tun sich zunehmend schwer, Risikokapital für ihre Ideen aufzustellen. Basel III wird das nicht verbessern. Ohne Sicherheit kein Risiko, so könnte man den paradoxen Systemrahmen benennen. Auch Venture Capital ist oft nicht der richtige Weg, den ein Rendite getriebener, schneller Exit widerspricht oft nachhaltigen Perspektiven von Unternehmerpersönlichkeiten. Doch ohne Risikokapital bleiben viele gute Ideen für eine bessere Welt in der Schublade. Das können wir uns aber eigentlich nicht leisten.

Weltweit arbeiten einige Vordenker an der Lösung dieses Problems. In Österreich zählt Reinhard Willfort zu den Pionieren. Nach seiner Promotion in Innovations- und Wissensmanagement gründete er die Innovationsschmiede ISN mit der er in zahlreichen Beratungsprojekten und eigenen Gründungen, einen tiefen Einblick in die Natur von Innovation gewinnen konnte. Doch was bringen innovative Ideen, ohne deren Umsetzung? Nicht viel, außer Frust. So arbeitet er mit seinem Team seit 2005 am Einsatz neuer Webtechnologien, um Innovationskultur und die Realisierung von Ideen zu fördern.

Crowdfunding wird die Chancen und Spielregeln für Innovationsprojekte in den nächsten Jahren gravierend verändern.

Reinhard Willfort, Initiator & Geschäftsführer von ISN

2012 war es dann so weit. Die Plattform 1000×1000 ging online. Die Vision: Mithilfe der Kraft und kollektiven Intelligenz der „Crowd“ (Menge) soll das Problem der Finanzierung gelöst werden. Dabei setzt nicht ein Investor sein gesamtes Kapital auf ein Projekt, sondern viele sogenannte „Mikroinvestoren“ stellen kleinere Geldbeträge für unterschiedliche Projekte bereit. Das Ergebnis ist ein Portfolio an Investitionsprojekten, welches das Risiko des einzelnen minimiert. Die dabei entstehende Community soll bei den Projekten auch noch aktiv mitdenken und helfen, wichtige Verbündete zu finden.

Und die Zukunft? Im Moment warten mehr als 50 Projektideen auf eine Finanzierung. Es braucht also mehr Sichtbarkeit und mehr sogenannte “Mikroinvestoren”, die bereit sind mit kleinen Geldbeträgen mitzumachen. Man will sich als ergänzendes Element in der Österreichischen Innovationslandschaft positionieren und hofft auf eine aktive Zusammenarbeit mit den anderen Institutionen und Netzwerken. Gemeinsam wird man mehr bewegen.