Wie kann jungen Frauen, die in Indien und Nepal zur Prostitution gezwungen wurden, geholfen werden? Viele haben keine Schulbildung, schwerste Traumata und keinerlei Lebensgrundlage. Eine indische NGO befreit die Betroffenen aus dem Schlimmsten und verhilft ihnen zu einem Leben in Würde.

In Indien und Nepal werden jede Stunde vier Frauen zur Prostitution gezwungen. Der Prozess verläuft meistens sehr ähnlich: Mit oft nur 10 Jahren verkaufen Eltern ihre Töchter um etwa 50 Dollar an Menschenhändler. Diese sperren die Kinder tagelang ohne Essen ein und schlagen sie regelmäßig, bis sie zu allem bereit sind. Dann verkaufen die Händler die Mädchen an Zuhälter in den Großstädten weiter.

Ruchira Gupta arbeitete früher als Journalistin. Auf einer Reise durch Nepal fielen ihr immer wieder ganze Dörfer auf, in denen keine Frauen zwischen 15 und 45 Jahren anzufinden waren. Als sie begann Fragen zu stellen, fand sie heraus, dass die jungen Mädchen und Frauen 1400 Kilometer weit weg in Bombay als Prostituierte arbeiten mussten. Von diesem furchtbaren Schicksal zutiefst betroffen und schockiert gründete sie die Organisation Apne Aap.

Die Revolution findet statt, wenn ein Opfer aufsteht und öffentlich ausspricht, was ihr passiert ist.

Ruchira Gupta, Gründerin von Apne Aap

Die NGO arbeitet daran, Menschenhandel zu beenden und den Frauen den Ausstieg aus der Zwangsprostitution in drei Schritten zu ermöglichen: Als erstes wird ein sicherer Ort, wie etwa ein Frauenhaus geschaffen, der leicht zugänglich ist. In einem nächsten Schritt werden Gruppen von zehn Frauen gebildet, innerhalb denen jede neun Freundinnen zum Reden, Lachen und Geschichten teilen hat. Damit wird die Isolation beendet und das Schamgefühl abgelegt. Schließlich erhalten die Frauen eine Ausbildung, um einen Lebensunterhalt verdienen und ein Leben mit Perspektive zu führen zu können.

Apne Aap bedeutet auf Hindi Selbsthilfe oder Selbstermächtigung. Mehr als 10.000 Frauen hat die  NGO bisher ein neues Leben ermöglicht. Dadurch ist Apne Aap nicht nur eine Organisation, sondern eine richtige Bewegung. Ziel ist es, in den nächsten Jahren mindestens 500.000 Frauen zu erreichen, damit die Botschaft auch in das Bewusstsein der Mächtigsten dringt.

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