Wie kann man es schaffen, ein altes Futtermittel für Weidetiere, als innovativen Baustoff zu positionieren? Man muss ganz vorne beginnen und neben Bewusstsein auch die nötige Kompetenz für den Umgang damit schaffen.

Erwin Schwarzmüller hat in den letzten 11 Jahren an unterschiedlichsten Forschungs- & Entwicklungsprojekten mit Fokus auf ökologisches Bauen mitgewirkt. Doch die umfassende Nachhaltigkeit von ökologischen Maßnahmen und neuen Baustoffen ist eine knifflige Sache. Wenn der Dämmstoff primär aus Erdöl hergestellt wird, dann wächst die CO2 Belastung schnell an. Diese „graue Energie“, die bei dem Abbau und der Herstellung von Baustoffen entsteht, wird noch immer gerne übersehen.

Gerade deshalb ist Erwin Schwarzmüller zum großen Fan von Stroh als ökologischem Super-Baustoff geworden. Denn: Bei der (lokalen) Herstellung des Baustoffes wird nur wenig Energie benötigt und im Einsatz als Dämmstoff oder auch in Form von lasttragenden Elementen wird sogar CO2 gebunden. Damit sind erstmals Gebäude möglich, die mehr CO2 in ihrer Hülle speichern als zur Herstellung aller Komponenten emittiert wurde. Gleichzeitig können regionale Arbeitsplätze geschaffen werden und die Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffimporten verringert werden. Eine Traum-Bilanz.

Stroh hat mehrfaches Potenzial zur Energie- und Rohstoffwende. Es macht Häuser behaglich komfortabel, energieeffizient und es speichert CO2 auf Lebensdauer.

Erwin Schwarzmüller, Schulungsleiter im Qualifizierungsnetzwerk

Doch bei all den überzeugenden Argumenten für Stroh erkannte Erwin Schwarzmüller schnell ein großes Problem: Das Wissen über den traditionellen wie innovativen Baustoff unter Planern ist gering und die Vorbehalte groß. Resultat: Viele lassen lieber die Finger davon. Aus diesem Missstand entstand die Idee für ein Qualifizierungs- Netzwerk für Stroh im Bauwesen. Gefördert durch die österreichische Forschungs- und Fördergesellschaft hat das Netzwerk im Herbst seine Arbeit aufgenommen. Gleich 4 Institute von 3 Universitäten und 12 interessierte Unternehmen bilden dieses Netzwerk und arbeiten für die Verbreitung von Planungs- und Umsetzungskompetenz für Stroh als innovativem Baustoff.

Und die Zukunft? Erwin Schwarzmüller wünscht sich ein möglichst rasches Wachstum des Netzwerkes und auch der Partner für viele, weitreichende Folgeprojekte. Er sieht ein enormes Potential für breit angesetzte Qualifizierungsinitiativen – auch über die österreichischen Grenzen hinaus. Das Lobbying für Stroh steht erst am Anfang, es ist noch so vieles möglich. Ob die Berücksichtigung in Lehre & Ausbildung oder die Vertretung in Normenausschüssen – es gibt viel zu tun. Mitstreiter sind herzlich willkommen!