Müssen Fahrräder aus energieintensiven Materialien hergestellt werden? Ein einfallsreicher Israeli ist gerade dabei, das Undenkbare möglich zu machen – ein Fahrrad aus Karton.

Weltweit existiert Know-How für die Verwendung von Karton und Pappe als Verpackungsmaterial. Aber für andersartige Anwendungen ist jedoch kein Wissen vorhanden. Der Einsatz von Karton für Fahrradteile stellt Entwickler vor große Herausforderungen: die Belastbarkeit des Rahmens, die Funktion der Bremsen, das Design der Räder und Speichen, die Übertragung der Pedalbewegung, die Stabilität des Sattels und nicht zuletzt die Problematik des Niederschlags.

Izhar Gafni hat Maschinenbau studiert, liebt Fahrräder und ist ein Tüftler, wie er im Buche steht. Als er von einem Bastler hörte, der ein Kanu aus Karton gebaut hat, ließ er sich inspirieren. Eineinhalb Jahre entwarf, zeichnete, schnitt und faltete er in seiner Werkstatt im israelischen Ort Moshav Ahituv – zwischendurch immer wieder der Verzweiflung nahe – bis er eine Lösung für sein Fahrrad aus Karton gefunden hatte.

Ich bin selbst überrascht, wie stark das Material ist.

Izhar Gafni, Entwickler des Karton-Fahrrades

Bei dem Prototyp bestehen derzeit fast alle wichtigen Teile, also etwa Rahmen, Speichen, Sattel und Gabel, bis auf die Pedalhalterungen, die Bremsen und die Räder aus Karton. Die Endversion des Papprads soll vollständig metallfrei sein. Das Rad trotzt Regen und feuchten Straßenverhältnissen und ist mit einem biologischen Lack gestrichen.

Das Rad wird ungefähr neun Kilogramm wiegen und 290 Dollar kosten. Im März 2015 kommt es auf den Markt. Für die Massenproduktion wollte Izhar Gafni über die Finanzierungsplattform Indiegogo zwei Millionen Dollar einsammeln, was ihm jedoch nicht gelang. Derzeit verhandelt er mit Investoren über einen Einstieg. Für die Zukunft wünscht sich Izhar Gafni, dass seine Räder weltweit in Kleinunternehmen gefertigt und gefahren werden.

*editor’s pick