Wie kann eine von Abwanderung, Überalterung und Niedergang leidende Inselwelt in Schweden wieder belebt werden? Indem man alle Beteiligten an einen Tisch bringt, intelligente Lösungen findet und die Ausgewogenheit beibehält. Ein Best-Practice-Beispiel aus Schweden.

Schärengärten sind Inselgruppen, die von den Gletschern der letzten Eiszeit abgeschliffen wurden. In erster Linie findet man sie in Skandinavien und Kanada. Der Schärengarten vor Stockholm erlebte im Wirtschafts- und Urbanisierungsboom der Nachkriegsjahre eine starke Abwanderung. Schulen und Geschäfte wurden geschlossen, viele regionale Arbeitsplätze gingen verloren, zurück blieben fast nur ältere Menschen.

Hjalmar Mehr wurde 1910 in Stockholm geboren. Seine Eltern waren russische Juden und sozialistische Revolutionäre, die vor der Geheimpolizei des Zaren geflohen waren. Auch Hjalmar Mehr zeigte sich für ein paar kleine „Revolutionen“ verantwortlich: in seiner Zeit als Bürgermeister 1958 bis 1966 gestaltete er nicht nur einen ganzen Stadtteil von Stockholm neu, sondern leitete auch die frisch gegründete Schärengarten Stiftung als erster Präsident.

Unsere Aufgabe ist es, zu entwickeln und zu bewahren. Naturschutz, Tourismus, Arbeitsplätze, Landwirtschaft und kleinräumige Wirtschaftsstrukturen. Alles muss im Einklang miteinander stehen.

Hjalmar Mehr, erster Präsident der Stockholmer Schärengarten-Stiftung 1959

Vor der Gründung der Stiftung kamen alle wichtigen Interessengruppen zusammen: Wissenschaftler, Beamte, Unternehmer, Bewohner der Insel und kulturelle Persönlichkeiten. Die Inselwelt wurde in verschiedene Zonen eingeteilt: Freizeit-, Umweltschutzzonen, Weideland und Siedlungsgebiete. Die Stiftung behält den Überblick und gleicht Interessen aus. Dadurch gewährleistet sie, dass die Natur geschont, das Landschaftsbild erhalten, Arbeitsplätze für BewohnerInnen geschaffen wird und trotzdem genug Raum für Freizeitaktivitäten bleibt.

Heute verwaltet die Schärengarten-Stiftung circa 12.000 Hektar, also etwa 12 Prozent der Gesamtfläche. Außerdem ist sie der größte Arbeitgeber in der Inselregion. Skärgård-Ranger sind ganzjährig auf und zwischen den Inseln mit ihren Booten unterwegs, kümmern sich im Sommer um den Abfall, pflegen die Natur, halten Gebäude instand und bergen festgelaufene Segelboote von Touristen. Die Finanzierung stammt zur Hälfte von der Stadt Stockholm und zur Hälfte von Miet- und Pachteinnahmen und den 20.000 Förderern der Stiftung.

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